Fakultät für Biologie - Fachdidaktik Biologie

    Ökologie des Bibers - Das leistet der Biber _ Konzeption von Präsentationstafeln, Hands-on-Exponaten sowie digitalen Unterrichtseinheiten im Rahmen der Verwirklichung eines Biberlehrpfades im Wildpark Klaushof in Bad Kissingen

    Autorin: Anna Rietzler

    Betreuer: Dr. Thomas Heyne

    Der Biber (Castor fiber) war eine über fast alle Kontinente weit verbreitete Art, die nahezu keinen natürlichen Feind hatte. Er konnte ungestört seinen Tätigkeiten in seinem Revier nachgehen, bis die Menschen beschlossen, den Baumeister aufgrund seines Felles, Bibergeils, den durch ihn überschwemmten Gebieten und vielen weiteren Gründen zu jagen und nahezu komplett auszurotten. So starb der letzte Biber in Bayern im Jahr 1867. Durch unzählige Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungen hat der Bund Naturschutz e.V. es geschafft eine stabile Biberpopulation in Bayern zu etablieren. Heutzutage, nicht einmal 150 Jahre später, sind an vielen Flüssen, Bächen und Gewässerabschnitten unzählige Biberspuren zu entdecken. Durch ihre einzigartige Fähigkeit Landschaften nach ihrem Vorteil zu gestalten, schaffen sie für sich, aber auch für zahlreiche andere Tier- und Pflanzenartenarten, neue Lebensräume. Biber können lediglich aus Ästen, Schlamm und Steinen Burgen bauen und Dämme errichten, womit sie ihren Teil zur Renaturierung der Gewässer beitragen. Mit Hilfe ihre gelben Nagezähnen fällen sie Bäume, lichten damit die Wälder auf und verjüngen diese. Außerdem bringt der Biber durch seine Stau- und Fällaktivitäten den Auwald, der als artenreichstes Ökosystem in Deutschland gilt, wieder zurück in die vom Menschen geschaffenen Monokulturen. Dies wiederum stößt auf großen Unmut in der breiten Bevölkerung, weshalb der Biber als ein nicht gern gesehenes Tier in der Nachbarschaft gilt.

    Um den negativen Eindrücken entgegen zu wirken, wird bis Ende 2016 ein Biber-Gehege im Wildpark Klaushof in Bad Kissingen gebaut. In diesem Gehege wird ein Lehrpfad integriert sein, der grundlegende Daten über die Geschichte, Lebensweise und Biologie des Bibers, aber auch über seine gestalterischen Fähigkeiten und ökologischen Leistungen informiert. Außerdem wird sich ein Teil des Pfades mit den Aufgaben des Bibermanagements, demnach mit dem Zusammenleben von Mensch und Biber, befassen. Zusätzlich wird im Anfangsbereich des Geheges ein Biber-Spielplatz errichtet, der Kindern auf spielerische Art und Weise den Biber näher bringen soll. Im Allgemeinen ist das Ziel dieses Geheges, den Parkbesuchern den Biber in seiner nahezu natürlichen Umgebung zu zeigen und damit eine unmittelbare Naturbegegnung zu schaffen. Im Rahmen dieses Projekts haben Lena Gögercin und ich eine Wissenseinheit über die Ökologie des Bibers konzipiert.

    Vordergründiges Ziel des ‚Ökologie des Bibers‘-Lehrpfades ist es, den Parkbesuchern aufzuzeigen, dass der Biber durch seine Bau- und Fällaktivitäten keine Landschaften zerstört. Ganz im Gegenteil, er sorgt für eine Vielzahl neuer Lebensräumen, wie den Biberteich, die Biberwiese, den Auwald, das Totholz und die Flachwasserzonen. In jedem von diesen Arealen sterben zwar Pflanzen ab, aber in der Gesamtheit gesehen dienen die nährstoffreichen Böden viel mehr Pflanzen und Tieren als Lebensgrundlage. Die Biodiversität nimmt  daher in einem Biberrevier zu. Aus diesem Grund gilt der Biber als Schlüsselart an Gewässern.

    Die Besucher des Wildparks werden mit der Thematik über drei Ebenen vertraut gemacht. In der ersten Ebene, den Präsentationstafeln, werden alle relevanten Informationen bezüglich des Lebensraums des Bibers und seiner Eigenschaft an Gewässern als Schlüsselart zu fungieren, dargestellt. Das theoretische Wissen kann dann an den zwei Hands-on-Exponaten, Ebene 2, spielerisch angewandt  und vertieft werden. Die dritte Ebene besteht aus einer Prezi-Präsentation, die für Schulklassen konzipiert wurde. Dazu werden die QR-Codes von Tablet-PCs oder Smartphones gescannt und die Besucher erhalten tiefgreifende Informationen über die Ökologie des Bibers.

    Die Zulassungsarbeit gliedert sich in drei große Kapitel, den fachwissenschaftlichen, den fachdidaktischen und den methodischen Teil. Im fachwissenschaftlichen Teil werden zunächst grundlegende Informationen über die Ausrottung und Wiederansiedlung der Biber erläutert. Anschließend wird der Lebensraum der Biber beschrieben, welcher sich bevorzugt an Fließgewässern mit erhöhten Uferbereichen und einem Auwald in der Nähe befindet. An einem solchen Standort siedelt sich ein Biber an, bildet eine Familie und zeigt aggressives territoriales Verhalten. Denn Biber verlassen ihr Revier nur bei Nahrungsknappheit oder Tod. Danach wird der Biber als Baumeister mit seinen Fähigkeiten Burgen und Dämme zu errichten, aber auch Röhre und Kanäle zu graben, beschrieben. Diese Eingriffe in die Landschaft machen ihn zu einer Schlüsselart an Gewässern. Durch seine gestalterischen Tätigkeiten lässt er nährstoffreiche Biberteiche und Biberwiesen entstehen, sorgt aber auch für eine Lichtung und Verjüngung von Wäldern. Diese Aktivitäten führen dazu, dass für viele gefährdete und schützenswerte Arten neue Lebensräume entstehen. Im fachdidaktischen Teil werden dann die Kriterien von Plakaten und Postern erläutert und inwiefern diese Kriterien in Form von Informationstafeln im Biber-Gehege im Wildpark Klaushof umgesetzt werden. Im methodischen Teil werden die Rahmenbedingungen des Projekts ‚BiberLandschaft‘ erläutert und die Umsetzung in das Biber-Gehege mit integriertem Biberlehrpfad dargelegt. Außerdem werden die Lehrplanrelevanz und die Zielsetzungen des Pfades formuliert. Den Schluss bildet die Begründung des methodisch-didaktischen Aufbaus mit den Konzeptbestandteilen des Projektes.

     

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