Fakultät für Biologie - Fachdidaktik Biologie

    Biologisch-dynamische Kompostierung: Grundlagen und Einsatzmöglichkeiten im Schulunterricht

    Autor: Dominik Wieland                    

    Eingereicht am 01.04.2009

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    Der Einfluss von Medien, insbesondere von Fernsehen und Internet, ist auf Menschen heutzutage so enorm, dass gerade Kinder über ihre  biologische Umwelt oft nur noch sporadisches Wissen besitzen oder gar völlige Fehlvorstellungen aufweisen. Beispiele gibt es Zahlreiche. So wird nicht selten Milch im Supermarkt produziert. Ein Zusammenhang zwischen Tofu und einem Traktor will gar nicht mehr gelingen. Damit werden Heranwachsende automatisch auf einheitliche, formidentische Lebensmittel geprägt, ohne dass sie wissen, woher ihre Nahrung stammt und was mit den Nahrungsmittelresten geschieht. Um den Bewusstseinshorizont der Schüler zu erweitern, möchte ich auf bewährtes Wissen zurückgreifen, welches sich seit Generationen auch im der fränkischen Kulturraum bewährt hat, aber zunehmend in Vergessenheit gerät.

    Mit dieser Zulassungsarbeit soll daher zunächst im fachlich-theoretischen Bereich ein grundsätzlicher Überblick über die Möglichkeiten der Düngung sowie ein Einblick in die biologisch-dynamische Landwirtschaft gegeben werden. Dabei wird ein Überblick über die verschiedenen Düngemittel gegeben und diese auf ihre Vor- und Nachteile hin beleuchtet. Besonders wird auf die biologisch-dynamische Art und Weise einer Kompostanlegung eingegangen und beschrieben wie dazu notwendige Präparate selbständig hergestellt werden können. Zudem erhält man einen Überblick über die häufigsten Organismen am Kompost, der wenn er richtig angelegt ist, nicht nur ein Düngerreservoir, sondern auch ein Lebensraum für zahlreiche Tierarten ist.

    So wird ersichtlich, dass bald nach dem Anlegen des Komposthaufens Destruenten wie Pilze, Bakterien und Algen mit dem Zersetzen des organischen Materials beginnen. Von ihnen ernähren sich bald die ersten Konsumenten wie etwa Milben und Insekten. Diese locken dann erste Jäger an. Mit fortschreitender Mineralisierung des Organischen Materials werden immer neue Lebewesen angezogen, welche auch zunehmend größer werden. Ist der Kompost schließlich fertig, so kann er als Dünger ausgebracht werden und dient wieder als Grundlage für ein verbessertes Pflanzenwachstum. Ein neuer Kreislauf beginnt.

    Ausgehend von diesen Überlegungen wird im didaktischen Bereich ein Unterrichtsentwurf für die 6. Jahrgangsstufe der Realschule im Zusammenhang mit dem Lernen an außerschulischen Lernorten erstellt. 

    Die Unterrichtseinheit „Der Kompost“ ermöglicht es im Rahmen des fächerverbindenden Unterrichtsvorhaben „Schulgarten“ den Kindern die Ziele des Lehrplanes auf  handlungsorientierte, entdeckend forschende und vor allem in einer wertenden Art und Weise zu vermitteln. Die Verknüpfung von Theorie (Unterrichtsstunden im Klassenzimmer) und Praxis (Arbeit im Schulgarten) zeigt den Kindern, dass sie Handlungskompetenz besitzen und ihr weiteres  Vorgehen auch Auswirkungen auf ihre Umwelt hat. Die Schüler lernen Verantwortung zu übernehmen und werden durch gemeinsame Bewältigung von Aufgaben in ihrer Teamfähigkeit geschult. Als Folge der Unterrichtseinheit sollen die Kinder in der Lage sein neben den Kriterien Aussehen, Geschmack und Preis auch die Müllverursachung, Qualität und Herkunft der Lebensmittel in die Kaufentscheidung mit einfließen zu lassen. Ein nachhaltiges umweltbewusstes Handeln wird induziert.

    Die Unterrichtseinheit beginnt mit der Doppelstunde „Wir legen einen biologisch-dynamischen Komposthaufen an“, in der zunächst die Einsicht zur Notwendigkeit von Abfallvermeidung und eine Bereitschaft zur Wiederverwertung von „Müll“ geschaffen werden soll. Diese Wiederverwertung wird im nächsten Schritt praktisch angegangen, indem die Schüler selbst einen Kompost nach dem biologisch-dynamischen Verfahren anlegen.

    „Der Kreislauf der Stoffe“ gibt den Schülern einen Überblick über Stoffkreisläufe und schafft zudem die Erkenntnis, dass Kreisläufe zusammenbrechen, wenn ihnen wichtige Bestandteile entzogen werden.

    Die nächste Doppelstunde findet wieder am außerschulischen Lernort statt. Die Stunde „Welche Lebewesen finde ich auf einem Kompost?“ bietet den Schülern die Möglichkeit primärer Naturerfahrungen. Die Tierbestimmung am Kompost mit Hilfe des eigens auf die Klassenstufe reduzierten Bestimmungsschlüssels schult die Schüler in den fachtypischen Arbeitsweisen des Biologieunterrichts und regt zum eigenständigen Erkunden an.

    Die bei den Bestimmungsübungen gewonnenen Daten werden in der Stunde „Wir bilden das „Ökosystem Kompost“ ab“ in Relation gebracht. Es wird ein Bewusstsein geschaffen für Ökosysteme als ein Zusammenwirken von Lebensraum (Kompost) und Lebensgemeinschaften (Kompostbewohner).

    Um den Schülern die Verwendung ihres Kompostes aufzuzeigen, geht es wieder in den Schulgarten. „Der Kompost wird ausgebracht“, um die richtige Verwendung des biologischen Düngers zu zeigen. Der Kreislauf wird somit geschlossen. Weiterhin bietet diese Stunde die Möglichkeit dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht zu werden. Frische Luft und der Umgang mit Spaten und Rechen, also die Schulung von Kulturtechniken ist vielen Kindern nicht mehr geläufig.

    Um den Schülern den Sinn und Zweck einer natürlichen Düngung zu erklären, wird in der Stunde „Warum eignet sich Kompost besonders als Dünger?“ näher auf die Eigenschaften von „Boden“ und insbesondere von Kompost eingegangen.

    Ziel dieser Arbeit ist es damit, den Menschen eine Alternative zu der Verwendung von industriell gefertigten Produkten bei der Bewirtschaftung ihres Gartens bzw. Feldes aufzuzeigen. Zudem soll ein Bewusstsein für nachhaltiges und verantwortungsvolles Handeln geschaffen werden. Nur wer versteht, dass aus Küchenabfällen wieder wertvolle Nahrungsmittel entstehen können, wird auch bereit sein jenen organischen Müll einer gezielten Aufbereitung zuzuführen und ihn nicht in den Restmüll zu werfen. In Anbetracht einer immer weiter fortschreitenden Zerstörung unserer Umwelt ist es wichtig, vorhandene Ressourcen nicht nur zu nutzen, sondern sie auch wieder zu verwerten.

    Ein schonender Umgang mit Boden ist daher unerlässlich. Nur wenn das Bodenklima intakt ist, lässt sich jener auch nachhaltig bestellen. Mit dem Einbringen von kompostiertem, organischem Material kann jeder einen Beitrag leisten, den natürlichen Kreislauf in Gang zu halten.

     

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